
Mitten im öffentlichen Festgeschehen wachsen sie in die Höhe: die „Castells“ der katalanischen Castellers – Menschentürme, gebaut aus Körpern und Vertrauen. Das Scheitern ist stets mitgedacht. Eva Teppe greift für Die Welt ist alles, was der Fall ist auf TV-Material zurück und verlangsamt den Sturz radikal. Der Titel zitiert Ludwig Wittgenstein. Aus dokumentarischer Aktion wird ein abstrakter Sog aus Farbe und Nähe. Ein Film über das Fallen – und darüber, was im Bild überhaupt der Fall ist.

Lilja feiert jedes Wochenende in Clubs und Discos bis in die frühen Morgenstunden. Im schillernden Nachtleben fühlt sie sich scheinbar zu Hause. Eines Nachts wird das Unmögliche wahr. Lilija trifft für einen kurzen Moment ihr Spiegelbild aus einer anderen Welt: Tom.
Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu, und wem sie just passieret, dem bricht das Trommelfell entzwei! Nils Menrads Kurzfilm über eine in vielerlei Hinsicht rauschhafte Nacht im Karlsruher Partyhimmel könnte auch Ausdruck des heimlichen Wunsches gewesen sein, endlich mal Techno-Musikvideos für VIVA oder MTV zu produzieren. Wären wir die Chefs von VIVA oder MTV, wir würden seine Clips kaufen!

Laura Morcillo nimmt sich in ihrer Beobachtung dem Werderplatz an, schaut zu wie Waren gegen Geld die Besitzer wechseln und wie drumherum die Verlierer des großen Systems Marktplatz sitzen, unter argwöhnischen Blicken der Marktplatzhüter.
Der Film entstand 2010 in der Reihe Beobachtungen von Thomas Heise, die jedes Jahr aufs neue als Einstieg ins Dokumentarfilm-Studium den beobachtenden Blick schulen sollte. Gedreht wurde über einen längeren Zeitraum auf dem stadtbekannten Werderplatz in der Karlsruhe Südstadt. 2014, vier Jahre später, nimmt sich Laura Morcillo noch einmal dem Werderplatz an, in ihrem Kurzfilm Lettre de Werderplatz.

Mitten in Europa: Eine Wohnung ohne Türschloss. Es ist das Reich von Coz, der nach seiner Flucht aus der Türkei nun in der Schweiz lebt. Im Porträt erzählt er seine Geschichte. Vom Eingesperrt werden, vom Ausgeschlossen werden und dass die Türen und die Schlösser in seinem Kopf an Bedeutung verloren haben.
‘Coz’ ist der Spitzname von Yusuf Bayraktar. Während seines Physikstudiums an der Istanbuler Universität lernten sich der Filmemacher und sein Protagonist vor vielen Jahren kennen. Coz wurde damals zu 13 Jahre Haft verurteilt, als er an einer friedlichen Demonstration gegen die türkische Hochschulpolitik teilnahm. Seit 2009 lebt er in Basel im politischen Asyl, wo er sich mit kleinen Jobs und Sozialhilfe über Wasser hält und viel träumt. Büyükcoşkun zeigt mit seinem Film ein Schicksal, das kein Einzelschicksal ist.

Der Killer mit der Polaroid treibt sein Unwesen in Karlsruhe. Die Stimmung ist prickelnd, die Nerven zum Zerreißen gespannt. Keiner traut hier irgendwem, jeder und jede ist verdächtig. Nur eines ist gewiss: Er wird wieder zuschlagen.
Selten gesehen im Filmarchiv: Action, Mord, geklaute Filmmusik. Samuel Israel besticht in seinem Vordiplom durch eine kurzweilige Mischung aus Helge Schneider und Dario Argento. Der Film ist eine Hommage an die italienischen Giallo-Filme der 70er Jahre und dabei so frisch, man kann die Kneipenluft förmlich riechen: Ein-Mann-Team, ein halber Drehtag, Postproduktion am Abend, ein Tag vor Abgabefrist zum Vordiplom. So ungefähr wurde es uns von Samuel erzählt. Man merkt dem Film all dies an und er gefällt uns sehr.

Weihnachten 2008 Jahren: Bei der Kult-Ausstellung “Oh Tannenbaum” gab es Weihnachtsbäume ohne Ende, Kuratorium dafür keins: Was abgeliefert wurde, wurde auch ausgestellt, Hauptsache Tannenbaum. Oh du Fröhliche.
Seit 2004 gab es die kultige Weihnachtsausstellung. Ursprünglich als interner Gag gestartet, entwickelte sich das studentische Projekt über die Jahre zum überregionalen Kunst-Schlager. Eine Woche lang (die Woche vor Weihnachten) durfte jeder und jede ausstellen, egal ob Professor*in, Studierende oder Mitarbeitende. 2013 wars dann vorbei mit dem Tannenbaum. Ganz schöne Sache finden wir, könnte man mal wieder drüber nachdenken.

Über einem Feld taucht ein Wal auf und spricht zu einem jungen Mann: Bald ist es aus mit der Menschheit und er solle die Botschaft bitte unters Volk bringen. Gut, dass es Youtube gibt! Wenn da nicht die Besserwisser mit besserer Auflösung und besserem Mikro wären und mal wieder alles besser wissen…
Bei diesem Film handelt es sich um Finns Erstlingswerk – er war 20 Jahre alt. Entstanden im 16mm-Seminar von Razvan Radulescu, analog und digital gefilmt, wild gemixt, krasse Grafiken, ein großartiger Alexander Thelen in Bestform und in einer Paraderolle als Youtube-Prediger. Dazu noch Morphing-Effekte, echte Hunde, falsche Wale, ein verpeilter Mitbewohner, Sonnenbrillen, knallharte Action, und ein wenig Gesellschaftskritik. Trash-Kino-Herz was willst du mehr? Daumen hoch!

Liebevolles Porträt und intimer Tagebucheintrag. Ein sich behutsam vortastender Film über die eigenen Erinnerungen, die Kindheit und die Konfrontation mit dem Tod als einem unvorhergesehenen Mitgestalter in Sachen Planungssicherheit.
Ein Seminar über Tagebuch-Filme von Serpil Turhan behandelt ein intimes Sujet und ist der Anfang von vielen sehr persönlichen Filmen von HfG-Studierenden. Verarbeitendes Potential entfaltet sich auch in diesem Beispiel der HfG Tagebuch-Filme von 2020 von Rebekka Scheib. Wir werden mit hineingezogen in einen Strudel aus Erinnerungen, in Kindertage, in Einsichten, die uns das Leben zuschiebt, oder wir uns selbst – im Erinnern.

Für diejenigen die sich fragen, ob die HfG wirklich eine Kunsthochschule ist, und wie man eine solche erkennen kann, ist hier ein Film, der eine echte Kunstakademie porträtiert, mit echtem Dreck, Farbe, Rauchen und alles was sonst noch dazu gehört!
Jonas Rehren, seines Zeichens “Aka”-Student, verbrachte einige Jahre seiner Studiums im Gestaltungs-Excil an der HfG um Film zu studieren. Für einen 16mm-Kurs bei Răzvan Rădulescu kehrte er an die Akademie zurück, um dort drei Kommiliton*innen bei ihrer Arbeit zu porträtieren. In stillen Beobachtungen sehen wir, wie sehr verschiedene Materialien verarbeitet werden. Wir möchten Jonas an dieser Stelle für seinen Beitrag zur besseren Zusammenarbeit und Verständigung zwischen den Karlsruher Kunsthochschulen danken.

Geniales Musikvideo zu Rainer von Vielens Song Kein Zurück.
Eine Bilderrätselsammlung die in hoher Geschwindigkeit da über einen hinweg rast – eigentlich müsste man ständig das Video stoppen um all die Rätsel würdigen zu können.

Mascha Dilgers Ono No Kochami ist eine filmische Annäherung an das gleichnamige Gedicht von Clara Sondermann. Das zeitgenössische Gedicht handelt von Beziehungen und Familie und deren Vergänglichkeit und ist gleichzeitig eine Hommage an die alte japanische Dichterin Ono No Komachi, die um 830 n. Chr. in der Heian-Ära als Hofdichterin lebte und arbeitete. Der Film entstand ebenfalls für Stephan Krass’ Poetry Film Seminar.

Max Lange als sympatischer Dr. Braunhardt Werner, Sprecher eines unzeitgemäßen Werbefilmes zum Vertrieb einer Kälteschlafwanne. Damit kann man nun endlich 1000 Jahre leben und in den Weltenraum starten!
Wir schätzen jede Art von Trash! Warum, das ist eine Frage, die hier nicht behandelt werden kann. Alleine aus egalitären Gründen ist die Nennung hier ein Anliegen. Max Langes Film ist als Teil seines Diplomprojektes, dem Hörstück “Die Sternensaat” in Kontext zu setzen, in dem unterschiedliche Formen utopischer Heilsversprechen des 19. und 20. Jahrhunderts aufeinandertreffen, mit Betonung des Motivs des Weltenraumes. Hier nun nochmal in Form eines fiktiven Werbevideos und Trailer.

Antarktis. Drei Figuren haben ein Nashorn erlegt und verladen es auf ihr Schiff. Das Schiff ist zu schwer und bricht im Eis ein. Ein Römer kommt vorbei. Ein Flugzeug setzt zum Sturzflug an. Die Spannung ist kaum auszuhalten…
In nur zwei Minuten spannt Jules Wüest einen Spannungsbogen, der mit jedem Hitchcock-Thriller mithalten kann. Ein klassischer Zeichen-Trick-Film der alten Schule- einzelne Zeichnungen kommen am Trick-Tisch zusammen und bekommen Leben eingehaucht. Was letztendlich die Message des Filmes sein soll bleibt unklar. Und ob es einen Teil II gibt auch…

Eine verzweifelte junge Frau in der Fotokabine verhunzt ein Bild nach dem anderen.
Schauen Sie auf das kleine Vögelchen von Anna Kalus setzt sich auf absurd-komische Weise in immer neuen Spielformen mit seinem eigenen Herstellungsprozess auseinander. Die Montage hebt sich in der Demontage ihrer Idee wieder auf.

Ein einmaliges Zeitdokument – der Trailer für die Filme der Jahresaustellung der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe 2013! Eine Liste bekannter und unbekannterer Namen und ein Hubschrauber – mehr braucht ein guter Trailer nicht!
Das Filmforum traf sich regelmäßig im Blauen Salon um sich dort gegenseitig eigene Filme vorzustellen – Film als Treffpunkt, als Gelegenheit des Austauschs und des Miteinanders. Dieser Trailer zeugt noch davon, allerdings – ganz vorbei ist es nicht, im März 2021 gab es das Film.Forum-Festival, in dem noch einmal vier Filme aus vergangenen Zeiten präsentiert und besprochen wurden, und 2022 wird es zum 30. Geburtstag der Hochschule eine weitere Ausgabe geben – wir können also gespannt bleiben!

Sonntags in der Kirche wird das Abendmahl verteilt, wird Orgel gespielt, wird gesungen. Klassische Heise-Beobachtung.
Seit 2009 entstanden an der HfG die sogenannten „Beobachtungen“. Professor Thomas Heise führte diese Übung ein, bei der zwei formale Vorgaben die Filme prägten: Jeder und jede bekam eine Rolle 16mm-Film (ca. 11 Minuten) zugewiesen und musste etwas beobachten. Es wurde kein Ton aufgenommen und die Filme wurden per Hand im Chemie-Eimer entwickelt. Dieser Film kommt aus der dritten Beobachtungsreihe.

Hier ein sehr erfolgreiches Musikvideo der HfG Geschichte. Rotationsschaltung auf VIVA, MTV, etc. Laut Urteil der HfG Professorenschaft wird hier die Branche mit ihren eigenen Mitteln bekämpft. Konsumkritik als Trojaner mit Sixpack – funktioniert aber erstaunlich gut…
Wie macht man jemandem klar, dass das was er guckt Bullshit ist? Laut Urteil unserer Herren Proffesoren werden wir hier Zeug*innen einer Gesellschaftskritik, bei der die Industrie mit ihren eigenen Waffen geschlagen wird. Oder aber war hier eine Produktion erfolgreich, weil sie das zeigt, was wir alle sehen wollen, wenn wir MTV gucken. Gespenstisch kontrastreiche Behauptungen - die Wahrheit liegt vermutlich wie immer irgendwo in der Mitte.

Der Poet, auf dem höchsten Wipfel sitzend, sinniert über das Nicht-Vollbrachte des Tages an einem 27. September…
HfG-Alumnus David Loscher rezitiert in einem Baum sitzend das Gedicht Der schöne 27. September von Thomas Brasch. In einer 4-minütigen einzigen langen Einstellung kristallisiert sich aus den astigen Silhouetten eine Person, der Künstler, heraus, er schaut durch die Wipfel in den kühlen Karlsruher Abend, er trägt sein Gedicht vor, und steigt zurück auf die Erde.

In dieser Kameraübung ensteht ein Portrait des Südausgangs der Karlsruher Hauptbahnhof. Umso wertvoller fast 20 Jahre später, wo man dort nur noch die Glasfasaden von 1&1 beobachten kann.
Ein kleines Stück Stadtgeschichte: in Eva Hartmanns Beobachtung Südausgang Hauptbahnhof sehen wir den heute völlig zugebauten Hinterausgang des Karlsruher Hauptbahnhofs und verfolgen die Straßenkehrer am alten Busbahnhof. Der Film war Teil einer Kameraübung mit Kamerafrau Jutta Tränkle, die von Thomas Heise eingeladen wurde. Alle Filme wurden damals in Farbe und in 16mm gedreht, der Ton wurde in einem Vertonungs-Seminar hinzugefügt.

In Constantin Nestors Beobachtung wird gefärbt und geschnitten was das Zeug hält. Waschen, legen – und hoffentlich gefällts am Ende.
Seit 2009 entstanden an der HfG die sogenannten „Beobachtungen“. Professor Thomas Heise führte diese Übung ein, bei der zwei formale Vorgaben die Filme prägten: Jeder und jede bekam eine Rolle 16mm-Film (ca. 11 Minuten) zugewiesen und musste etwas beobachten. Es wurde kein Ton aufgenommen und die Filme wurden per Hand im Chemie-Eimer entwickelt. Dieser Film kommt aus der dritten Beobachtungsreihe.