Go Go Go Filmstill

Blauer Salon
Wintersemester 2026
Kino über der Stadt Shorts

Kurzfilmprogramm

Mit Einführung und Vortrag

Experimentalfilme gehören zu den frühesten und radikalsten Annäherungen des Kinos an die Stadt. Lange bevor urbane Räume zum selbstverständlichen Schauplatz fiktionaler Erzählungen wurden, erkundeten Filmemacher*innen ihre Dynamik mit den Mitteln von Montage, Rhythmus, Bewegung und Licht. Die Stadt erscheint dabei nicht als bloße Kulisse, sondern als Geflecht aus Straßen, Fassaden, Brücken, Verkehr und Menschen – als ein Organismus, dessen Energie sich erst im filmischen Blick entfaltet. Im Rahmen unserer Reihe »Kino über der Stadt« zeigen wir eine Auswahl von Klassikern und wiederzuentdeckenden Perlen der Filmgeschichte, die das Verhältnis von Kino und urbanem Raum auf unterschiedlichste Weise ausloten. Von den frühen Stadtsinfonien »Manhatta«, »Jeux des reflets et de la vitesse« und »Rain« über die pulsierenden Bildkompositionen von Shirley Clarke, D. A. Pennebaker und Marie Menken bis zu Claude Lelouchs legendärem »C'était un rendez-vous« versammelt das Programm Filme, die die Stadt nicht nur zeigen, sondern in Bewegung versetzen.


Filme

Jeux des reflets et de la vitesse

Regie: Henri Chomette | Frankreich 1925 | 8 min | DCP | Ohne Dialog

Ein rasender Blick auf Paris über die Schienen, eine Fahrt über die Seine per Boot. Henri Chomette durchquert in seinem Erstlingswerk Tunnel und Hochbahnen und verzichtet dabei auf eine Handlung. Mithilfe von Techniken wie Überblendungen und Zeitraffer verwandelt Chomette die Dynamik der Stadt in ein abstraktes visuelles Erlebnis.

Leihgabe der Filmkopie mit freundlicher Unterstützung von LightCone.


Go! Go! Go!

Regie: Marie Menken | USA 1962 | 12 min | 16mm | Ohne Dialog

Go! Go! Go! ist eine Meisterleistung der schnellen Kamerabewegung und der Einzelbild-Aufnahme. In Aufnahmen vonSchiffen, die im Hafen in Einzelbildern aufgenommen wurden, gefilmt aus einem fahrenden Auto, auf den Straßen von New York, bei einem Karosseriebauerkongress und an anderen Orten beschreibt Marie Menken das Leben ihrer Stadt.

Leihgabe der Filmkopie mit freundlicher Unterstützung von LightCone.


Regen

Regie: Mannus Franken, Joris Ivens | Niederlande 1929 | 16 min | 35mm | stumm

Ein lyrisches Porträt von Amsterdam und seinem sich wandelnden Erscheinungsbild während eines Regenschauers.

Leihgabe der Filmkopie mit freundlicher Unterstützung vom EYE Filmmusem.


Manhatta

Regie: Charles Sheeler, Paul Strand | USA 1921 | 11 min | 16mm | stumm

Manhatta dokumentiert den Blick auf das frühe 20. Jahrhundert in Manhattan. Mit der Stadt als Sujet besteht der Film aus 65 Aufnahmen, die in einer lockeren, nicht narrativen Struktur sequenziert sind – beginnend mit der Staten Island Ferry, die Manhattan ansteuert, und endend mit einem Sonnenuntergangsblick von einem Wolkenkratzer. Manche betrachten ihn als den ersten amerikanischen Avantgarde-Film. Das Hauptziel des Films ist es, die Beziehung zwischen Fotografie und Film zu erkunden; die Kamerabewegung ist auf ein Minimum reduziert, ebenso wie die beiläufige Bewegung innerhalb jeder Aufnahme. Jeder Frame bietet einen Blick auf die Stadt, der sorgfältig in abstrakte Kompositionen eingefügt wurde. Die Zwischentitel beinhalten Auszüge aus den Schriften von Walt Whitman.

Leihgabe der Filmkopie mit freundlicher Unterstützung von LightCone.


Bridges-Go-Round 1

Regie: Shirley Clarke | USA 1958 | 4 min | 16mm | Ohne Dialog

Die Brücken von New York City lösen sich durch Montage, Überblendungen und Farbgebung in fließende Abstraktionen auf. Untermalt von einer elektronischen Filmmusik von Louis und Bebe Barron verwandelt der Film vertraute städtische Strukturen in eine unheimliche, fremdartige Landschaft (eine alternative Fassung des Films enthält eine Jazz-Filmmusik von Teo Macero).

Leihgabe der Filmkopie mit freundlicher Unterstützung von LightCone.


Daybreak Express

Regie: D. A. Pennebaker | USA 1957 | 5 min | 16mm | Ohne Dialog

Der fünfminütige Kurzfilm „Daybreak Express“, der zu einer klassischen Aufnahme von Duke Ellington vertont wurde, handelt von der U-Bahn-Station Third Avenue in New York City, die bald abgerissen werden soll.

Leihgabe der Filmkopie mit freundlicher Unterstützung von LightCone.


C'était un rendez-vous

Regie: Claude Lelouch | Frankreich 1976 | 8 min | 35mm | Ohne Dialog | mit Claude Lelouch, Gunilla Friden

Ein französischer Kurzfilm von Claude Lelouch aus dem Jahr 1976. Er zeigt die halsbrecherische Fahrt eines Autos durch das frühmorgendliche Paris an einem Sonntag im August.