
Cozy (Lisa Bowman) ist von ihrem Mann, ihren Kindern und ihrem Dasein in der Suburbia-Welt Südfloridas gelangweilt. Sie würde all das gerne hinter sich lassen. Eines Nachts trifft sie in einer Bar auf Lee Ray (Larry Fessenden), der bei seiner Großmutter lebt und sich ziellos treiben lässt. Als sich versehentlich ein Schuss aus einem gefundenen Revolver löst, ergreifen die beiden die Flucht, im Glauben, einen Mord begangen zu haben. Die Bonnie-and-Clyde-Möchtegerns kommen jedoch nicht weiter als bis zum nächstgelegenen Motel. Der Topos des Outlaw-Liebespaars on the run wird zitiert und dekonstruiert: keine Liebe, kein Verbrechen, keine neuen Horizonte. Eine Flucht, die nirgendwohin führt. Reichardts Anti-Roadmovie, von der teilnahmslosen Stimme Cozys aus dem Off kommentiert, entlarvt mit bissigem Humor den Mythos von Freiheit und Abenteuer als mit der amerikanischen Gegenwart nicht vereinbar.
Mitten im öffentlichen Festgeschehen wachsen sie in die Höhe: die „Castells“ der katalanischen Castellers – Menschentürme, gebaut aus Körpern und Vertrauen. Das Scheitern ist stets mitgedacht. Eva Teppe greift für Die Welt ist alles, was der Fall ist auf TV-Material zurück und verlangsamt den Sturz radikal. Der Titel zitiert Ludwig Wittgenstein. Aus dokumentarischer Aktion wird ein abstrakter Sog aus Farbe und Nähe. Ein Film über das Fallen – und darüber, was im Bild überhaupt der Fall ist.
