Blauer Salon
Sommersemester 2026
River of Grass

River of Grass

Regie: Kelly Reichardt | USA 1994 | 76 min | DCP | Englische Originalfassung | mit Lisa Bowman, Larry Fessenden, Dick Russell

Cozy fehlt es an nichts: drei Kinder, ein Haus und ein ergebener Mann, der Tag und Nacht arbeitet, damit sie zu Hause bleiben kann. Ihr Versuch, aus diesem Leben auszubrechen, endet in einer Bar, wo sie Lee begegnet. Der Abend läuft aus dem Ruder, und am nächsten Morgen schon sind sie Floridas Bonnie und Clyde. Das Leben auf der Flucht vor der Polizei, zu der auch Cozys Vater gehört, schweißt sie eng zusammen. River of Grass erzählt ein Leben, das Reichardt selbst hätte führen können. Im Zuhause ihrer Kindheit in Florida, umgeben von den Jazzplatten ihres Polizisten-Vaters, schien es kaum ein Entkommen vor der Kleinbürgerlichkeit zu geben. Ihre Charaktere lässt das Gefühl nicht los, dass um sie herum alles den Bach runtergeht. Trotz des Erfolgs ihres Debüts in der Independent-Szene konnte Reichardt in den darauffolgenden zehn Jahren keinen weiteren Spielfilm drehen. Heute gilt sie als eine der Größen des US-amerikanischen Kinos, auch wenn sie immer noch weit entfernt von Hollywood Filme macht.


Vorfilm: Die Welt ist alles was der Fall ist

Regie: Eva Teppe | Deutschland 2002 | 2 min | SD Video | Deutsche Originalfassung

Mitten im öffentlichen Festgeschehen wachsen sie in die Höhe: die „Castells“ der katalanischen Castellers – Menschentürme, gebaut aus Körpern und Vertrauen. Das Scheitern ist stets mitgedacht. Eva Teppe greift für Die Welt ist alles, was der Fall ist auf TV-Material zurück und verlangsamt den Sturz radikal. Der Titel zitiert Ludwig Wittgenstein. Aus dokumentarischer Aktion wird ein abstrakter Sog aus Farbe und Nähe. Ein Film über das Fallen – und darüber, was im Bild überhaupt der Fall ist.

Filmkopie aus der Sammlung des Kino im Blauen Salon (HfG KA)
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