
Yasmine und Leila entdecken die Stadt durch das Archiv von Farouk, einem Kinobesitzer, der zwischen seinen Filmrollen überlebt. Die beiden Freundinnen begeben sich auf eine Reise, in der sie selbst zu Protagonistinnen ihres eigenen Films werden und untrennbar mit Beiruts filmischer Vergangenheit verschmelzen. Bekannt für ihre avantgardistischen Dokumentarfilme, die Zerstörung, Vertreibung und Verfall einer Geografie einfangen, rückt Saab die Stadt selbst in die Hauptrolle und nutzt Raum und Architektur als leitende Elemente, “Filmemachen als Geschichteschreiben”, wie es Thomas Elsaesser beschreibt.
Zwischen Epochen und Genres wandernd, verwebt der Film meisterhaft die vielen Räume, Figuren und Stimmungen dieser Stadt, verwandelt Fassaden in Protagonisten und bewegte Bilder in ein Archiv der Emotionen von Zugehörigkeit und Trauer, während die Grenze zwischen Fiktion und Dokumentarfilm zunehmend verschwimmt. Ein Multiplex filmischer Geschichte von der legendären Jocelyne Saab, eine Hommage an Beirut, wo der Krieg kein Bruch, sondern ein andauernder Zustand ist.
Leihgabe der Filmkopie mit freundlicher Unterstützung vom Arsenal Institut.
Mitten in Europa: Eine Wohnung ohne Türschloss. Es ist das Reich von Coz, der nach seiner Flucht aus der Türkei nun in der Schweiz lebt. Im Porträt erzählt er seine Geschichte. Vom Eingesperrt werden, vom Ausgeschlossen werden und dass die Türen und die Schlösser in seinem Kopf an Bedeutung verloren haben.
‘Coz’ ist der Spitzname von Yusuf Bayraktar. Während seines Physikstudiums an der Istanbuler Universität lernten sich der Filmemacher und sein Protagonist vor vielen Jahren kennen. Coz wurde damals zu 13 Jahre Haft verurteilt, als er an einer friedlichen Demonstration gegen die türkische Hochschulpolitik teilnahm. Seit 2009 lebt er in Basel im politischen Asyl, wo er sich mit kleinen Jobs und Sozialhilfe über Wasser hält und viel träumt. Büyükcoşkun zeigt mit seinem Film ein Schicksal, das kein Einzelschicksal ist.
Filmkopie aus der Sammlung des Kino im Blauen Salon (HfG KA)