
Apichatpong Weerasethakuls Regiedebüt, das aus dem thailändischen Original übersetzt etwa „Blaue Blume in der Hand des Teufels“ bedeutet, kann man sich wie eine Art Flüsterpost vorstellen: Die Filmcrew reist durch Thailand, erzählt eine Geschichte, lässt diese teilweise auch von den Leuten vor Ort im Schauspiel nachahmen, und die Menschen vor Ort fügen ihre eigenen Details, ihre eigenen Mythen, hinzu, wodurch ein ganzes Geflecht aus neuen Geschichten entsteht. Am Ende entsteht daraus eine Art neue kryptische Schöpfungsgeschichte; ein in den 1920er Jahren beliebtes surrealistisches Partyspiel mit dem Namen “Cadavre Exquis” diente der Filmcrew hierzu als Vorbild. Der auf 16mm gedrehte Doku-Experimentalfilm zeigt uns in seinen knapp 90 Minuten ein Thailand jenseits touristischer Hochburgen; ein Land in ständiger Bewegung und Entwicklung. Dass sich Apichatpong Weerasethakul nicht für gewöhnliche Erzählweisen im Kino interessiert, wird also bereits in seinem Debüt ersichtlich. In seinem späteren Werk, u.a. im Cannes-Gewinner Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben spielen ebenfalls wieder erzählte Geschichten und Mythen eine Rolle, dort wird jedoch die Fiktion tatsächlich zur Realität.