
Apichatpong Weerasethakuls Regiedebüt, dessen thailändischer Originaltitel übersetzt etwa „Blaue Blume in der Hand des Teufels“ bedeutet, kann man sich wie eine Art Flüsterpost vorstellen: Die Filmcrew reist durch Thailand, erzählt eine Geschichte, lässt diese von den Menschen vor Ort nachspielen, die ihre eigenen Details und Mythen mit einbringen, wodurch ein ganzes Geflecht aus neuen Geschichten entsteht. Diese fügen sich zu einer Art neuen kryptischen Schöpfungsgeschichte zusammen. Der auf 16mm gedrehte Doku-Experimentalfilm zeigt uns in seinen knapp 90 Minuten ein Thailand jenseits touristischer Hochburgen; ein Land in ständiger Bewegung und Entwicklung. Dass sich Apichatpong Weerasethakul nicht für gewöhnliche Erzählweisen im Kino interessiert, wird also bereits in seinem Debüt ersichtlich. In seinem späteren Werk, u. a. im Cannes-Gewinner Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben spielen ebenfalls wieder erzählte Geschichten und Mythen eine Rolle, dort wird jedoch die Fiktion tatsächlich zur Realität.
In dieser Kameraübung ensteht ein Portrait des Südausgangs der Karlsruher Hauptbahnhof. Umso wertvoller fast 15 Jahre später, wo man dort nur noch die Glasfasaden von 1&1 beobachten kann. Ein kleines Stück Stadtgeschichte: in Eva Hartmanns Beobachtung Südausgang Hauptbahnhof sehen wir den heute völlig zugebauten Hinterausgang des Karlsruher Hauptbahnhofs und verfolgen die Straßenkehrer am alten Busbahnhof. Der Film war Teil einer Kameraübung mit Kamerafrau Jutta Tränkle, die von Thomas Heise eingeladen wurde. Alle Filme wurden damals in Farbe und in 16mm gedreht, der Ton wurde in einem Vertonungs-Seminar hinzugefügt.
