
Ein Stummfilmklassiker mit Live-Coding und Synthesizern, flackerndes 16mm-Material und ein Archiv, das alles andere als stillsteht: Im Blauen Salon beginnt 2026 mit einem Abend, der Filmgeschichte und Gegenwart kollidieren lässt. Den Auftakt macht ein Meisterwerk der Animation – begleitet von einer Musik, die so nur im Moment entstehen kann.
Kaum hat das neue Jahr seine ersten Tage hinter sich, öffnen sich bei manchen noch die Geschenke, bei uns aber wieder die Filmdosen. 2026 darf bei uns rauschen, knistern und experimentieren – und beginnt gleich mit einem Highlight, das besser kaum zum Selbstverständnis unseres Kinos passen könnte.
Am Freitag, 16. Januar 2026, zeigen wir Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926) von Lotte Reiniger – einen der ersten abendfüllenden Animationsfilme der Filmgeschichte und bis heute ein Wunderwerk aus Scherenschnitt, Farbe und Fantasie. Fliegende Teppiche, Zauberer, Dämonen und ferne Reiche entfalten sich in filigranen Silhouetten, die auch nach fast 100 Jahren nichts von ihrer Magie verloren haben. Fun Fact fürs nächste Kneipengespräch: Ohne diesen Film sähe die Geschichte des Animationskinos ziemlich anders aus.
Doch wir belassen es nicht beim Staunen. Die seltene 16mm-Kopie wird live begleitet von Andres Kaufmes und Tim Offenhäußer, die mit Live-Coding und modularen Synthesizern eine ständig wechselnde Klanglandschaft erschaffen. Statt klassischer Stummfilmmusik erwartet euch eine zeitgenössische, improvisierte Vertonung voller Noise, Rhythmus und unerwarteter Brüche – irgendwo zwischen kontrolliertem Chaos und hypnotischem Sog. Jede Aufführung ist einzigartig. Was ihr hört, entsteht genau in diesem Moment.
Der Abend ist Teil unserer Reihe Das Archiv lebt!, mit der wir analoge Filmschätze wieder auf die Leinwand holen. Vor dem Hauptfilm zeigen wir wie immer einen Kurzfilm aus dem Archiv der HfG-Filmgeschichte: Schauen Sie auf das kleine Vögelchen (1998) von Anna Kalus. Zwei Minuten, formal wagemutig – und persönlich vorgestellt von der Filmemacherin selbst.
Mit dieser Vorführung eröffnen wir nicht nur unser Filmjahr, sondern auch das Kulturjahr im Blauen Salon: analog, lebendig und offen für Experimente. Beginn ist um 20:00 Uhr, der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen – und frühes Erscheinen zahlt sich erfahrungsgemäß aus.
Und schon mal vormerken:
Im Februar wird es dann musikalisch-locker: Unsere beliebte Jazz im Blauen Salon Open Stage Session kehrt am 20. Februar 2026 zurück. Ohne Jazz-Dogmen, ohne Druck, dafür mit Instrumenten auf der Bühne, Wein im Foyer und viel Raum für Improvisation. Mehr dazu bald 💙