
In der dritten und letzten Folge der Kult-Wochenschau werden die ganz großen Fragen geklärt: Wofür steht eigentlich KD? Wie benutzt man einen Hammer? Und: Welche Partys sind besser, die der Kunstakademie oder der HfG? Tune in and find out!
Außerdem wird die neue – nun geschiedene – Kanzlerin Christiane Linsel vorgestellt!
Im Herbst 2017 entdeckte das Kino-Team der HfG im Keller eines Kinos hunderte von historischen deutschen Wochenschauen. Beim Sichten dieses Formates, das die Zuschauer weltweit und bis in die 80er vor Kinofilmen über das aktuelle Wochengeschehen informierte, wurde klar, dass die HfG sofort ihre eigene Wochenschau brauchte. So wurde wöchentlich alles dokumentiert, was im Haus passierte und täglich vor den Filmen im Blauen Salon präsentiert.

Christian Haardt webt aus uraltem HfG-Archivmaterial eine neue Geschichte, die wie ein Traum vorbeiflackert – Pure Imagination!
Wusstet ihr schon: Christian Haardts Vordiplom war eigentlich gar nicht als Film gedacht – sondern als Installation! Auf dem Schneidetisch lief das Filmmaterial: ein aus im Filmarchiv gefunden Kopien von Arbeiten Studierender zusammengeschnittener Experimentalfilm, der verschiedenste Geschichten verwebt zu einer universellen Geschichte. Wir dürfen den Film zum ersten Mal als Film zeigen. Danke dafür!

Hände tauschen Scheine gegen Plastik. Spiel ist ein 3D-Dokumentarfilm über das Geschäft mit dem Glück. In atmosphärischen Bildern beobachtet er den Betrieb der Spielbank Baden-Baden.
In Bastian Epples Film passiert etwas sehr Interessantes: Die dokumentarischen Bilder, die den Spielbetrieb eines Casinos begleiten, entgleiten zusehends in eine atmosphärische Geschichte von Menschen, Maschinen und Bewegungen. Der Film pendelt zwischen Realität und Fiktion, die Bewegungen dieses Pendels werden immer größer und verschwimmen letztlich.

Was wäre wenn die Blume jene Erde unter sich verabscheuen würde? Ein Gedicht wird zur Frage und fordert zum Gespräch auf – Eine erstaunlich tiefgründig endende Aktion…
Sarah Thöles Film feierte beim 4. Internationalen Zebra Poetry Film Festival 2008 in Berlin Premiere. Das kurze Gedicht des Iraner Künstlers Shooresh Fezonis wird erst zur Frage und dann zur Einladung Nachzudenken über Menschliches, Allzumenschliches. Im Naturgarten Thöle hören wir das Philosophieren der Kundinnen und Kunden während die Bilder die Blume und ihre Erde zeigen.

Die krasseste HfG-Party aller Zeiten, so geht die Legende, wurde zufällig in einem 40-minütigen Homevideo eines unbekannten Hobbyfilmers 1996 für die Nachwelt festgehalten. Die VHS wurde jedoch in einem VHS-Player vergessen und als dieser auf den Dachboden wanderte, war alle Hoffnung verloren, sie je wieder zu finden und nach und nach geriet das Video in Vergessenheit. Fast 30 Jahre später stolperte der Medienkunst-Student Pavel Pudnik über einen Karton mit ausrangierter Technik und fand darin einen VHS-Player. Als er das Gerät anschloss, konnte er seinen Augen nicht glauben, was er sah war das verschollene Video, was er dort sah, war wohl die krasseste Party aller Zeiten!

Bei der Skateboard-Weltmeisterschaft 1989 in Münster treffen über 250 Skater – darunter Legenden wie Tony Hawk und Lance Mountain – aufeinander, um den Titel "Champion of the World" zu erringen. Mit atemberaubenden Tricks und waghalsigen Sprüngen feiern sie den neu gebauten Pool. Ein packendes Zeitdokument der Szene, das 1991 auf der Berlinale lief.

Ich darf die Vorstellung von The Simpsons Movie im Kino im Blauen Salon nicht verpassen /
Ich darf die Vorstellung von The Simpsons Movie im Kino im Blauen Salon nicht verpassen /
Ich darf die….
Genau richtig! Simpsons – der Film auf 35mm. Ein sehr besonderes Ereignis, auch für uns. Während der nervenaufreibenden Programmsitzung für dieses Sommersemester, zwischen aller Ernsthaftigkeit und Poesie, stießen wir, bei einem Blick ins eigene Kopienarchiv, auf das oben genannte Monument der Zeichentrickfilmgeschichte und einigten uns ziemlich schnell darauf, dass diese Kopie auf jeden Fall verdient hätte, mal wieder das Projektorlicht zu erblicken. Außerhalb jeder Reihe und jedes Rahmens.
Es ist nicht gut bestellt um den Umweltschutz in Springfield, als Homer im See vor den Stadttoren das Fass buchstäblich zum Überlaufen bringt. Als daraufhin US-Präsident Schwarzenegger drastische Massnahmen ergreift und über die verseuchte Stadt eine riesige Glasglocke stülpen lässt, ist Homer der Wut seiner Mitmenschen ausgesetzt. Springfields Einwohner formieren sich zum Mob und haben nur ein Ziel: Homer zu lynchen.

What Time Is It There beginnt mit einer wundersamen Begegnung: Die Chinesin Shiang-chyi will nach Paris und sucht eine Armbanduhr mit zwei verschiedenen Zifferblättern, die ihr die Zeit von zu Hause angibt. Genau eine solche Uhr trägt der junge Strassenverkäufer Hsiao Kang (Lee Kang-sheng). Zwar will er seine Uhr vorerst nicht verkaufen, doch sind seine Gedanken an Shiang-chyi schliesslich so intensiv, dass er beginnt, alle Uhren in Taipeh auf Pariser Zeit umzustellen, um ihr näher zu sein. Auch Shiang-chyi in Paris erlebt sonderliche Dinge in diesem stillen Filmgedicht über die Zeit, die Gegenwart und die Absenz. Über die Montage von «Taipeh» und «Paris» entsteht in filmischen Berührungen über die geografische Distanz der feine Humor dieses Meisterwerks. Die beiden Hauptfiguren sind zudem durch einen je eigenen Verweis auf Truffauts Les quatre cents coups (1959) miteinander verbunden. Ein Film, der auf sonderbare stille Weise von einer weltumspannenden Harmonie kündet (Walter Ruggle).

„Orlando, der Held, wird von den Tagen Elizabeths im 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart leben und auf halbem Wege eine Frau werden.“ So fasste Virginia Woolf den Inhalt ihres Meisterwerks zusammen. Als die britische Autorin 1928 Orlando herausbrachte, war sie in leidenschaftlicher Liebe zu Vita Sackville-West entbrannt. Der aus einer alten Adelsfamilie stammenden Gartengestalterin und Schriftstellerin widmete Woolf Orlando und schrieb: „Ich habe all diese Monate in Dir gelebt – wenn ich rauskomme, wie bist Du dann wirklich? Habe ich Dich erfunden?“1992 verfilmte Sally Potter das Buch mit einem Staraufgebot als schwelgerisches Kostümdrama. Tilda Swinton brilliert darin als androgyner Orlando, Quentin Crisp, die britische Ikone der frühen schwulen Emanzipation, spielt in einer Paraderolle Elizabeth I. und Jimmy Somerville („Don’t Leave Me This Way“) hat mit seiner Falsettstimme einen buchstäblich engelhaften Auftritt. Mit so viel leichtfüßiger Ironie und poetischem Charme hat noch kaum ein Film den Genderdiskurs auf die Leinwand gebracht.

Ein junger Mann verkauft Raubkopien von Film-CDs und führt ein bescheidenes und unprätentiöses Leben. Er teilt sich ein Zimmer mit seinen Bauarbeiterkollegen. Bis zu dem Tag, als ihn eine unbekannte Passagierin der Fähre nach einem japanischen Film fragt, von dem er noch nie gehört hat. Während er auf d, aber auf die Passagierin wartet, entwickelt er langsam eine leidenschaftliche Zuneigung, die parallel zu der Geranie wächst, die er aus einem Blatt wachsen lässt. Eines Tages sieht er die Passagierin in einem Café, kann sich ihr aber nicht nähern, um mit ihr zu sprechen. Sein Warten verwandelt sich in eine andere Dimension, in der die Passagierin keine Bedeutung mehr hat. Der Film zeigt nicht nur diese leidenschaftliche Geschichte des jungen CD-Verkäufers, sondern auch eine Ballade auf ein verschwindendes Filmmedium und seine Macher, eine Medienarchäologie der zeitgenössischen Filmkultur in Istanbul.

In dieser pechschwarzen Mockumentary begleitet ein Kamerateam den charismatischen Serienkiller Ben, der mit der Lässigkeit eines Nachbarsjungen und der Eloquenz eines Literaturprofessors Menschen um die Ecke bringt. Ganz nebenbei gibt er Tipps zum Gewicht von Leichen, Wohnkultur und wie man die Post effizienter austrägt – wortwörtlich. Mit bissigem Humor und gnadenloser Satire hinterlässt der Film Spuren, die man nicht so schnell abschüttelt. Unter der Regie von Rémy Belvaux wird Mann beißt Hund zu zynischem Spaß, bitterböser Gesellschaftskritik und einer absurden Studie über die Faszination des Bösen. Er zeigt, wie leicht wir Gewalt konsumieren, solange sie gut inszeniert ist. Bei seiner Veröffentlichung schockierte der Film das Publikum – heute gilt er als Kultklassiker, der Fragen stellt, die man sich vielleicht lieber nicht beantworten möchte.

»Workin’ 9 to 5, what a way to make a livin’ / Barely getting’ by, it’s all takin’ and no givin’/| They just use your mind / And you never get the credit / It’s enough to drive you crazy if you let it«. Dolly Partons Hymne aller ausgebeuteten Büroangestellten aus der gleichnamigen 80er-Jahre-Kult-Komödie bringt es auf den Punkt: Sie nutzen dich nur aus, geben dir keine Wertschätzung und treiben dich in den Wahnsinn, wenn du dich nicht wehrst. Jane Fonda, Lily Tomlin und Dolly Parton vereinen sich in einem Komplott gegen ihren misogynen Chef – fest entschlossen, die Arbeitsbedingungen für die Frauen zu verbessern, die den Betrieb in ihrer männerdominierten Firma am Laufen halten. Sie träumen von Rache – bis Fantasie und Realität aufeinanderprallen und das Chaos seinen irrwitzigen Lauf nimmt. Mit einem messerscharfen Drehbuch von Patricia Resnick und einem glänzend aufgelegten Ensemble avancierte der Film in den USA schnell zum Kultfilm und hat in den 45 Jahren seit seiner Premiere eine Sitcom, ein Musical und zahllose Drag-Performances inspiriert.

Wer kennt Sie nicht: Pippi Langstrumpf, das stärkste Mädchen der Welt, mit den roten Zöpfen, dem breiten Grinsen und ihren Gefährten Herr Nilsson und Kleiner Onkel. Zusammen mit Pippis Freunden Annika und Tommy erleben sie einen wild-verrückten Sommer. Als Pippi in das Dorf zieht, scheint sofort alles auf den Kopf gestellt zu werden. Natürlich gibt es jede Menge Ärger mit Erwachsenen, die den kleinen Wildfang nicht so recht in ihrer geordneten Welt sehen wollen. Aber die Ordnung der Erwachsenen und die Regeln, die sie sich ausgedacht haben, werden von Pippi einfach über den Haufen geworfen! Vom Polizeialarm bis hin zu einem heiteren Banküberfall – nichts läuft nach Plan, und genau das macht diesen Film zu einem großartigen Vergnügen für Jung und Alt. Pippi außer Rand und Band ist pure Lebensfreude, ein Feuerwerk aus Humor und unkonventionellen Ideen, das einen lachend in die verrückte Welt von Pippi eintauchen lässt.

Der total filmmaker Godard ist in seinem exzessiven Eklektizismus alles – also auch Lacanianer, Analytiker der Liebe mit Sinn für Spiegelung und Verknotungen, die in seinem System wieder auf Anderes, Größeres verweisen. NOUVELLE VAGUE ist dem anspielungsreichen Filmtitel zum Trotz nicht Rekapitulation der jüngeren Filmgeschichte (mit dem passiv-aggressiven Alain Delon in der Hauptrolle), sondern Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies und der Wiederkehr des Heilands, von Mann und Frau, von Tristan und Isolde, von Reinkarnationen von Worten und Bildern, die sich unter den Schichten des Gedankengeflechtes verbergen. Acta est fabula.

Northern Malady ist eine Erinnerung an verlorene Dinge: An einen letzten gemeinsamen Urlaub, an den Wind und das Wasser, an Traum und Schweigen.
Im Oktober 2017 ging Gerrit Kuge mit einem 3-köpfigen Team nach Schottland um Bilder für eine Filmidee zu finden, die vor einigen Jahren dort ihren Anfang nahm. Auf einer kleinen schottischen Insel, weit draußen auf dem atlantischen Ozean, wurde das Team fündig. Die rohe Landschaft der schottischen Hebriden bot Bilder, die Kuges Geschichte von taumelnden Erinnerungen im Film vorantreibt.

Die krasseste HfG-Party aller Zeiten, so geht die Legende, wurde zufällig in einem 40-minütigen Homevideo eines unbekannten Hobbyfilmers 1996 für die Nachwelt festgehalten. Die VHS wurde jedoch in einem VHS-Player vergessen und als dieser auf den Dachboden wanderte, war alle Hoffnung verloren, sie je wieder zu finden und nach und nach geriet das Video in Vergessenheit. Fast 30 Jahre später stolperte der Medienkunst-Student Pavel Pudnik über einen Karton mit ausrangierter Technik und fand darin einen VHS-Player. Als er das Gerät anschloss, konnte er seinen Augen nicht glauben, was er sah war das verschollene Video, was er dort sah, war wohl die krasseste Party aller Zeiten!

Woher kommt ‹voguing›, und was genau bedeutet ‹throwing shade›? Dieser bahnbrechende Dokumentarfilm bietet eine vibrierende Momentaufnahme der 1980er-Jahre aus der Sicht der afroamerikanischen und lateinamerikanischen Drag-Ball-Szene von Harlem. Paris Is Burning entstand über einen Zeitraum von sieben Jahren und bietet ein intimes Porträt rivalisierender Mode-‹Häuser›, von erbitterten Wettbewerben um Trophäen bis hin zu Hausmüttern, die in einer Welt voller Homophobie, Transphobie, Rassismus, Aids und Armut für ihren Lebensunterhalt sorgten. Mit legendären Modeschöpfern, Drag Queens und trans Frauen – darunter Willi Ninja, Pepper LaBeija, Dorian Corey und Venus Xtravaganza – feiert Paris Is Burning die Freude an der Bewegung, die Kraft der Eloquenz und die Anziehungskraft der Gemeinschaft.

Der Blick auf eine Baustelle in Karlsruhe, der Stadt der Baustellen.
Seit 2009 entstanden an der HfG die sogenannten „Beobachtungen“. Professor Thomas Heise führte diese Übung ein, bei der zwei formale Vorgaben die Filme prägten: Jeder und jede bekam eine Rolle 16mm-Film (ca. 11 Minuten) zugewiesen und musste etwas beobachten. Es wurde kein Ton aufgenommen und die Filme wurden per Hand im Chemie-Eimer entwickelt.

Ein Musikvideo für die Karlsruher Band Kammerflimmer Kollektief: ein nächtlicher Streifzug durch die Stadt und ein Blick in die Fenster der Anderen. Es ist kein Geheimnis, dass das Kammerflimmer Kollektief und Bernd Schoch einander zugetan sind: sie steuerten die Musik zu einiger seiner Filme bei, zuletzt zu Olanda, der 2019 den dokKa-Preis der Stadt Karlsruhe gewann. Im Gegenzug schenkte ihnen Bernd Schoch dieses Musikvideo, das nach einer langen Fahrt durch die dunkle Nacht schließlich in einem der vielen Fenster die Band entdeckt und sich vor dem Fenster dazusetzt.

2008 – auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – besucht der damalige Bundespräsident Horst Köhler die HfG. Dort bekommt er eine exklusive Führung von Peter Weibel und Peter Sloterdijk…
Lehrreicher kann eine Führung kaum sein, hat man hier doch die Möglichkeit, Geistesgrößen wie Peter Sloterdijk und Peter Weibel über die Schulter zu schauen. Der damalige Bundespräsident besucht die HfG; deren Student René Frölke hielt in konzentriertem Schwarzweiß fest, wie der improvisierte Medienkunstdiskurs der genannten Herren von der Sehnsucht nach Besinnung zur Realwirtschaft eingefärbt wird.