
“Man, I ain’t poor. Look, I give away things to the Salvation Army; you can’t give away nothin’ to Salvation Army if you poor.” Eine bahnbrechende Offenbarung im amerikanischen Independent-Kino: Charles Burnetts lyrisches Spielfilmdebüt entfaltet sich wie ein Mosaik des Schwarzen Lebens im Stadtteil Watts in Los Angeles. Einen aufregenden Plot sucht man in Killer of Sheep vergeblich. Der Film taucht ein in das Leben von Stan, der mit seiner Frau und den zwei Kindern in Watts, im Süden von Los Angeles lebt. Sein Alltag ist geprägt von langen Schichten im Schlachthaus, dem Spiel seiner Kinder in der Nachbarschaft und zärtlichen Momenten im Kreis der Familie. Nichts passiert, und gleichzeitig geschieht in diesen knapp achtzig Minuten alles, was das Leben ausmacht. Burnett führte selbst die 16-mm-Kamera, verantwortete den Schnitt und wählte die Musik – Balladen, Jazz und Blues –, die sich wie Rauch ins Bewusstsein legt; fast drei Jahrzehnte lang blieb Killer of Sheep, ursprünglich als studentischer Abschlussfilm ohne kommerzielle Ambitionen entstanden, der Öffentlichkeit verborgen. Umso mehr freut es uns, diesen zentralen Klassiker des Black Cinema nun als eines der ersten europäischen Kinos in der digitalen 4K-Restaurierung präsentieren zu dürfen.
