
Ivan ist zwölf Jahre alt, als der Krieg ihm die Kindheit raubt. Er ist Kundschafter in einer Militäreinheit und durchquert Wälder, Ruinen und Frontgebiete. Er wird über feindliches Territorium geschickt, prägt sich Stellungen ein, übermittelt Informationen und kehrt allein zurück. Die Offiziere um ihn herum sind außerstande, ihn zu schützen, verlassen sich jedoch weiterhin auf ihn. Ivan besteht darauf, an der Front zu bleiben, und weigert sich, evakuiert oder abgeschirmt zu werden. Seine zielgerichtete Entschlossenheit lässt kaum Raum für Zweifel oder Ruhe. Iwans Kindheit ist Andrei Tarkowskijs Spielfilmdebüt und hob sich bereits bei seiner Entstehung deutlich von konventionellen Kriegsnarrativen ab. Basierend auf einer Kurzgeschichte von Wladimir Bogomolow zeigt der Film Ivans Wege durch aktive Kampfzonen und provisorische Unterkünfte im rückwärtigen Gebiet. Realistische militärische Abläufe werden immer wieder von Szenen unterbrochen, die das Tempo verlangsamen und den Fokus verschieben. Bereits hier zeigt sich Tarkowskijs frühes Interesse an Fragen von Erinnerung, Zeit und Wahrnehmung, getragen von den strengen Schwarzweißbildern der Kameraarbeit von Wadim Jussow.