Chopper

Regie: Andrew Dominik | Australien 2000 | 94 min | DCP | Originalfassung | mit Eric Bana, Vince Colosimo, Simon Lyndon

Basierend auf dem Leben des berüchtigten australischen Verbrechers Mark „Chopper“ Read, begleitet der Film dessen Protagonisten durch Zyklen von Gefängnisaufenthalten, Gewalt und Selbstinszenierung. Er präsentiert eine Reihe lose verbundener Episoden, die Chopper als charismatisch und zugleich zutiefst verstörend zeigen. Seine beiläufige Brutalität und sein verdrehter Humor verwischen die Grenze zwischen Inszenierung und Realität und lassen das Publikum im Unklaren darüber, wie viel von dem Gesehenen glaubwürdig ist. Andrew Dominiks Spielfilmdebüt entstand mit bescheidenen Mitteln, aber einer ungewöhnlich kühnen, tonalen Selbstsicherheit. In enger Zusammenarbeit mit Eric Bana schuf Dominik einen Film, der sich moralischen Wertungen und konventionellen Krimi-Effekten entzieht. Die reduzierte Struktur, die abrupte Gewalt und der trockene Humor spiegeln die bewusste Weigerung wider, die Hauptfigur zu erklären oder zu rehabilitieren. „Chopper“ wirft Themen auf, die Dominik in späteren Filmen weiter erforschen sollte: die Konstruktion von Mythen, die Unzuverlässigkeit von Perspektiven und Männer, die von Gewalt und Egoismus bestimmt werden. Choppers selbstgeschaffene Legende nimmt die Figur des Jesse James aus „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ vorweg, während die kühle Distanz und die moralische Ambivalenz des Films zu Markenzeichen von Dominiks Stil werden. Von Beginn an zeigt sein Werk eine Faszination dafür, wie Geschichten über gewalttätige Männer erzählt werden und warum sie so lange im Gedächtnis bleiben.