
Eine Erbin muss in einer stürmischen Nacht in einem Spukhaus ihre geistige Gesundheit beweisen, während ein maskierter Mörder umgeht – das ist der eigentliche Gründungsfilm des "Old Dark House"-Genres bei Universal. Carl Laemmle holte den deutschen Regisseur Paul Leni (Das Wachsfigurenkabinett) eigens nach Hollywood; dessen expressionistische Kamera- und Lichtsprache prägte sichtbar James Whales spätere Arbeiten (Frankenstein, The Old Dark House). Ohne diesen Film keine visuelle Grammatik der Universal-Horrorfilme der 30er.
Belangloses Melodram mit Florence Lawrence, historisch bedeutsam nicht wegen der Handlung, sondern wegen der Marketingaktion drumherum: Laemmle ließ 1910 in der Presse verbreiten, die bis dahin anonym als "Biograph Girl" bekannte Lawrence sei bei einem Straßenbahnunfall gestorben, um sie tags darauf als "IMP Girl" wieder "auferstehen" zu lassen. Damit erfand Laemmle im Kern das Starsystem – Namensnennung, Gesicht, Publicity als Verkaufsargument. Diese Logik der kalkulierten Sensation ist die direkte Ahnin der späteren Horror-Vermarktung ("Karloff! Lugosi!").
